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+ Nachruf auf HR Direktor Mag. Helmut Findenig +

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1948 - 2017 / Der Abschluss einer großen Erzählung

Wir trauern um Helmut Findenig, HR Direktor in Ruhe Mag. Helmut Findenig. Wir verlieren mit Helmut einen Menschen, der 17 Jahre lang das BRG Klagenfurt-Viktring geleitet hat, wir verlieren mit ihm aber auch einen Kollegen und guten Freund.

Der französische Philosoph und Literaturtheoretiker Jean-Francois Lyotard postulierte in seiner Kritik der Moderne das "Ende der großen Erzählungen" und meinte damit auch das Ende des narrativen, erzählenden, Wissens. Dem setzt er das erzählende Individuum gegenüber, das in "kleinen Erzählungen" und "Sprachspielen" zwischen den unterschiedlichen Diskursen seinen Freiraum behaupten kann. Helmut war ein großer Erzähler dieser "kleinen Geschichten". Wir alle erinnern uns wohl daran, wie gerne er ausholte, um in der Vielfalt der Meinungen und Diskurse eine kleine, bedeutende Erzählung zu platzieren. Und wir erinnern uns wohl auch daran, dass wir uns nicht immer die Zeit dafür nehmen wollten, wenn er einleitend fragte: "Habe ich dir diese Geschichte schon erzählt?"

Eine kleine Geschichte des Geschichte- und Deutschlehrers und Schulleiters HR Dir. Mag. Helmut Findenig:
Helmut kommt im Jahr 1948 in Eis bei Ruden im Jauntal auf die Welt. Die Volksschule besucht er in Tultschnig bei Wölfnitz, in Klagenfurt das Realgymnasium; er maturiert in der damals noch 9. Klasse des Musisch-Pädagogischen Realgymnasiums in Klagenfurt.
Nach dem Präsenzdienst beginnt er das Lehramtsstudium für Deutsch und Geschichte an der Karl-Franzens-Universität Graz. Nach der alten Studienordnung der damaligen Zeit schreibt er zwei Abschlussarbeiten und zwar über den "Briefwechsel zwischen Paul Heyse und Jakob Burckhardt" und "Die Benediktinerabtei St. Paul in Kärnten zur Zeit der Reformation".
Sein Probejahr absolviert Helmut Findenig im Jahr 1980 am BRG Viktring. In seinem Probelehrer-Zeugnis werden seine Höflichkeit und Hilfsbereitschaft hervorgehoben und es heißt dort wörtlich: "Durch seine freundliche, ruhige Art erreicht er eine natürliche Disziplin und Aufmerksamkeit der Klasse." Aus den späteren Jahren wissen wir, wie gerne er scherzte, wie gerne er sich im Unterricht auch auf ein Streitgespräch oder Wortgefecht einließ - wie gerne er fachsimpelte. Anlässlich der Übernahme ins öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis werden sein "Humor, Offenheit, Strenge gepaart mit Verständnisbereitschaft und Güte" genannt.

Helmut Findenig war seit seinem Probejahr 1980 Lehrer am BRG Klagenfurt-Viktring. Er bekleidete viele Funktionen bevor er Schulleiter wurde: so war er Schülerberater, Personalvertreter und mehrfach Klassenvorstand; er gab jahrelang die Schulzeitung "Postscriptum" heraus und war für den Jahresbericht verantwortlich.
1997 wurde er zum Direktor ernannt. In seiner Dienstzeit wurde der umfangreiche Ausbau der Schule fortgesetzt und vollendet. So entstanden die Bereiche für Bildnerische Erziehung und Werkerziehung sowie das Tagesheim. Der Park wurde nach historischen Plänen wiederhergestellt. In seine Amtszeit fallen auch die Einführung von Französisch als Alternativer Fremdsprache in der Oberstufe und die integrierte Freiarbeit in der Unterstufe der Realklassen sowie der Schulversuch "Musikgymnasium für Studierende der Musik" in Kooperation mit Konservatorium und Landesmusikschule. Er war ein Direktor, der Schulentwicklung nicht verordnete, sondern zuließ - und damit förderte.

Helmut hatte vielerlei Interessen, die weit über seine Fächer Deutsch und Geschichte hinausgingen, wie z.B. Segeln und Schlagzeugspielen. Er engagierte sich aber auch außerschulisch z.B. im Universitätsbund, dem er viele Jahre als Präsident vorstand. Zudem war er Lehrender am WIFI, wo er österreichische Geschichte und Literatur lehrte.
Die Schule war seine große Leidenschaft: Bei der Übernahme seiner Amtsschriften wurde mir bewusst, mit welcher Konsequenz und welch eisernem Willen er sich nach seinem Schlaganfall 2012 wieder in den anstrengenden Alltag hineinbegeben hatte und wie groß die Herausforderung zu schreiben gewesen sein muss. Ich habe miterlebt, wie schwer ihm das Ausräumen seiner Kanzlei gefallen war. In der Zeit der Amtsübergabe habe ich verstanden, wieso es Helmut so wichtig war, nach der Zeit der Rekonvaleszenz wieder in die Schule zurückzukehren: Das große Ziel, den Schulalltag wieder zu schaffen und die Freude an der Arbeit mit Menschen, war die treibende Kraft - und hat wohl auch viel Selbstdisziplin verlangt.

Helmut hat auch in der Pension den Schuljahresrhythmus nicht abgelegt - in seinen Anrufen wurde immer klar, dass er in Gedanken mitlebte und mitdachte, die Homepage regelmäßig las, regen Anteil am Schulgeschehen nahm und zuletzt noch zur 40-Jahr-Jubiläumsfeier des BRG Klagenfurt-Viktring im April dieses Jahres kam.
Wenn er uns in der Schule besuchte, immer mit einem Frühstück für das Sekretariat und die KollegInnen im Kaffeezimmer, betonte er, dass ihm am meisten die Menschen aus der Schule fehlten, der tägliche Kontakt mit den LehrerInnen, SchülerInnen und Eltern. Er arbeitete gerne am Entstehen unserer Festschrift mit und erinnerte mich sogar noch im Juni daran, unbedingt alle MitautorInnen zum Schulfest einzuladen - auch wenn er selber nicht mehr kommen konnte. Mit großer Geduld hat er das Kleinerwerden seiner Kreise hingenommen; bis schließlich der Weg in die Schule zu weit geworden war und er nur mehr telefonisch Anteil nehmen konnte.

Seine große Liebe galt seiner Familie, seiner Frau Doris und seinen Kindern Marlies und Georg. Bis zuletzt waren sie wesentlicher Teil seiner Erzählungen und Zentrum seiner Sorge.
Lieber Helmut, die Erinnerung an dich, an den Erzähler der großen Zeitgeschichte eines Lebens und einer Schulgeschichte in vielen kleinen Geschichten wird bleiben. Ich danke dir für die Begleitung.

Dir. Gabriele Fenkart / Viktring, am 31. Juli 2017

 

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