Projekt
Mittelalter: Neue Fragen an alte Zeiten
Die Beschäftigung
mit dem Mittelalter erfreut sich im Schulunterricht bei Lehrern und
Schülern kaum besonders großer Wertschätzung. Im Gegensatz
dazu bescheren Literatur und Film, Video- u. Computerspiele, History-Parks
und Großausstellungen mit dazugehörenden Rahmenprogrammen
der oftmals totgesagten oder zumindest als „finster“ bezeichneten
Epoche derzeit geradezu eine Hochkonjunktur. Das Mittelalter wird
zur Schatz- und Wühlkiste der Vergangenheit, aus der man sehr
viel sinnlich Darstellbares (Kleidung, Essen, Feste u. Bräuche)
herausholen kann und zur Projektionsebene für Phantasiegeschichten.
Dieser Mittelalterboom macht nun diese Zeit auch didaktisch wieder
interessant. Durch die Vermengung von Fiktion und historischer Realität,
die Reduktion mittelalterlicher Phänomene auf vermeintlich Wesentliches
macht sich ein Mittelalterbild breit, das dieser für die Gegenwart
so wichtigen Zeit selten entspricht Es gilt daher Fragen an diese
für das Heute so grundlegende Epoche zu richten und verständliche
Antworten darauf zu erhalten, die dem neuesten Stand der Wissenschaft
entsprechen. Vieles, womit wir heute praktisch umgehen (z.B. Sprache,
Stadt, Staatenwelt, Rechtsordnung, Universitäten) hat seine Anfänge
oder findet seine grundlegende Ausprägung im Mittelalter.
Das Mittelalter ist aber nicht nur eine Vorphase der Gegenwart, es
ist vor allem auch fremd und kontrastiv. Gerade das Erkennen dieser
Fremdheit und die Begegnung mit dem „Anderen“ in der eigenen
Vergangenheit und Kultur, ist eine hervorragende Möglichkeit,
sich mit heutiger Fremdheit auseinander zusetzen.
Der Lernprozess bestünde darin, Unterschiede bewusst zu machen
und Toleranz gegenüber anderen und anderem zu fördern.
Dieses
Buch ist das Produkt eines interdisziplinären Projektes, das
die SchülerInnen einer dritten und sechsten Klasse mit bildnerischem
Schwerpunkt des BRG Klagenfurt-Viktring gemeinsam mit dem Institut
für Geschichte, Abt. Mittelalterliche Geschichte und Historische
Hilfswissenschaften der Universität Klagenfurt durchgeführt
haben.
Ausgehend vom Besuch der Kärntner Landesausstellung 2001 „Schauplatz
Mittelalter“ in Friesach, haben die SchülerInnen beider
Klassen unabhängig voneinander im Geschichteunterricht einen
Referatsthemenkatalog zum „Mittelalter“ erstellt. Die
aktuellen Fragen, die sich aus der intensiven Beschäftigung mit
den mittelalterlichen Lebenswelten ergaben, wurden gesammelt und dem
Institut für Geschichte der Universität Klagenfurt übermittelt.
In ausführlichen Teamsitzungen wurden diese Fragen an die Vergangenheit
von Univ. Prof. Mag. Dr. Johannes Grabmayer beantwortet und die Relevanz
der einzelnen Themenbereiche für die Gegenwart diskutiert.
In einer weiteren Phase wurden die, durch die Zusammenarbeit Wissenschafter
– Lehrer – SchülerInnen, erworbenen Kenntnisse über
die Welt des Mittelalters kreativ umgesetzt. Im Unterrichtsgegenstand
Bildnerische Erziehung haben die SchülerInnen ihre neugewonnen
Vorstellungen über das Leben im Mittelalter bzw. ihre Assoziationen
zum Themenkomplex Mittelalter bildnerisch dargestellt.
Die Publikation des Projektes in Buchform sollte nicht nur ein Ansporn
für die TeilnehmerInnen und ein Nachschlagewerk für alle
Mittelalterinteressierten sein, sondern auch die vielgestaltige, bunte
Welt des Mittelalters auf neue Art und Weise wieder entstehen lassen.
(red
/ Günther Meierhofer)
Falls
Sie das Buch käuflich erwerben wollen, senden Sie bitte ein E-Mail
an
brg.viktring@lsr-ktn.gv.at oder
meierhofer.g@aon.at